Pflanzen, Tiere und Klimawandel

Verlauf des Eintrittstermins von Frühlingsblühern in alpinen Gebieten der Schweiz, Sloweniens und Österreich von 1951 bis 1999 (angegeben sind die Abweichungen vom Mittel in Tagen, Kurven geglättet)
Phaseneintritt der Frühblüher in alpinen Lagen
Vergleich zwischen Temperatur (HISTALP NE Sektor Sommer, 4 – 9; schwarz, absolute Abweichungen vom Mittel 1901 - 2000) und Phänologie („Schwarzer Holunder Beginn der Fruchtreife“, rot, Mittel über alle österreichischen Stationen). Dünne Linien repräsentieren die Einzelwerte, dicke das gleitende Mittel über 21 Jahre. Die gemeinsame Varianz zwischen der Temperatur und der phänologischen Phase beträgt 75%.
Eintritt der Fruchtreife des Schwarzer Holunders

Pflanzen sind empfindliche Messinstrumente der lokalen Atmosphäre. Eine Temperaturzunahme um 1°C im Frühjahr bedingt ein um ca. 1 Woche früheres Einsetzen von Frühlingsphasen wie die Blüte der Hasel oder der Kirsche. Damit werden die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs – in den letzten 100 Jahren im Jahresmittel weltweit um 0.6°C + 0.2°C, im Alpenraum um etwa 1.2°C - auch für einen Laien direkt erfahrbar und begreifbar.

Lange phänologische Beobachtungsreihen zeigen, dass Pflanzen durchaus auf diese gering scheinenden Veränderungen ihrer atmosphärischen Umwelt vor allem in mittleren und höheren Breiten der nördlichen Hemisphäre deutlich reagieren. In den letzten 50 Jahren verfrühte sich die Blattentfaltung und Blüte von Frühjahrsblühern um 1.4 bis 3.1 Tage pro Jahrzehnt bzw. um 1.2 bis 2.0 Tage pro Dekade in Nordamerika.

Beim Verhalten der Tiere ist der Zusammenhang bzw. die Abhängigkeit vom Wetter/Klima nicht so eindeutig bestimmbar, da hier auch verschiedene andere Aspekte eine Rolle spielen und Tiere zudem mobiler sind als Pflanzen, es lässt sich jedoch vor allem in Westeuropa ein früheres Brüten von einigen Vogelarten und ein früheres Auftauchen von Zugvögeln nachweisen.