19.04.2017

Schnee im April

Seit den 2000er-Jahren sind späte Kaltlufteinbrüche deutlich seltener geworden. Durch die milden Frühlingsmonate der letzten Jahre treiben allerdings viele Pflanzen immer früher aus und reagieren daher empfindlicher auf Kaltlufteinbrüche wie im Vorjahr und heuer.

Ein Wintereinbruch mit Schnee und Frost ist in Österreich in der zweiten Aprilhälfte im langfristigen Vergleich nicht allzu selten, vor allem was das Berg- und Hügelland betrifft, sagt Klimatologe Alexander Orlik, von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): „Bis etwa zum Jahr 2000 gab es eine Schneedecke und Frost in vielen Tälern statistisch gesehen alle zwei bis fünf Jahre. Ab den 2000er-Jahren haben wir allerdings fast durchwegs sehr milde April-Monate erlebt und derart winterliche Wetterlagen sind kaum noch vorgekommen. Ein Beispiel: Dass Innsbruck in der zweiten Aprilhälfte weiß war, gab es das letzte Mal am 21. April 2001, also vor 16 Jahren. In den Jahrzehnten davor, kam das aber durchschnittlich alle fünf Jahre vor."

 

Derart große Schneemengen auch in den Alpentälern ungewöhnlich

Andere Beispiele: Wertet man die Klimadaten der letzten Jahrzehnte aus, kommt eine geschlossene Schneedecke in Mariazell durchschnittlich alle zwei bis vier Jahre vor, in Mayrhofen im Zillertal, in Mürzzuschlag und in Allentsteig alle fünf bis zehn Jahre. „So große Schneemengen wie heuer sind aber auch in den Alpentälern ungewöhnlich", sagt Klimatologe Orlik, „zum Beispiel kommen Schneehöhen über 30 Zentimeter in Mariazell in der zweiten Aprilhälfte statistisch gesehen nur alle zehn bis 15 Jahre vor, mehr als 40 Zentimeter alle 50 Jahre. Am 15. April 1996 lagen in Mariazell 46 Zentimeter Neuschnee."

 

In Wien zuletzt 1997 noch so spät Schneeflocken

Seltener sind Schneeflocken zu dieser Jahreszeit im Flachland Ostösterreichs. In Wien schneite es in der zweiten Aprilhälfte zuletzt im Jahr 1997. „Damals schneite es vom 15. April weg einige Tage immer wieder und am 20. April 1997 lag auf der Hohen Warte sogar eine fünf Zentimeter hohe Schneedecke", sagt Klimatologe Orlik, „wertet man für Wien die Klimadaten der letzten Jahrzehnte aus, kommt Schneefall in der zweiten Aprilhälfte durchschnittlich alle 20 Jahre vor."

 

Jährlichkeit für Frost in der zweiten Aprilhälfte

Frost kommt im langfristigen Vergleich über die letzten Jahrzehnte in Gebieten oberhalb von 800 Meter Seehöhe fast jedes Jahr auch noch in der zweiten Aprilhälfte vor. In den kommenden Nächten sind allerdings besonders in schneebedeckten Tälern vereinzelt Temperaturen möglich, die für die zweite Aprilhälfte im Bereich der Rekorde liegen.
In tiefen Lagen wird es etwas seltener so kalt. In Freistadt, im Mühlviertel, wird es zu dieser Jahreszeit durchschnittlich alle ein bis drei Jahre noch frostig, in Fürstenfeld und in Andau im Seewinkel alle drei bis fünf Jahre, in Gänserndorf alle fünf bis sieben Jahre. „In Wien ist Frost auf der Hohen Warte in der zweiten Aprilhälfte mit einer Jährlichkeit von sieben bis zehn Jahren eher selten, aber in den Bereichen des Wienerwalds - wie in Mariabrunn - mit zwei bis fünf Jahren dagegen etwas häufiger", sagt ZAMG-Experte Orlik.

 

Obstblüte mittlerweile um zehn Tage früher und damit anfälliger für Frost

Besonders Obstbäume sind durch Kaltlufteinbrüche mittlerweile stärker betroffen als früher, sagt ZAMG-Phänologe Helfried Scheifinger: „Viele Pflanzen beginnen durch die immer wärmeren Frühlingsmonate früher auszutreiben und zu blühen. Daher reagieren sie auf Kaltlufteinbrüche, wie im Vorjahr und heuer, deutlich empfindlicher. Zum Beispiel ist die Blüte von Marille, Apfel und Kirsche mittlerweile um durchschnittlich zehn Tage früher als noch vor 20 Jahren."

 

Citizen Science: ZAMG ersucht um Fotos von Frostschäden

Die Wissenschaft der Phänologie erforscht, wie Pflanzen und Tiere auf das Klima reagieren. Die regulären phänologischen Beobachtungen dokumentieren allerdings nicht die Auswirkungen von Spätfrost auf die Landwirtschaft und den Obstbau, außerdem sind diese Ereignisse relativ selten. Dadurch stehen kaum Daten für weiterführende Untersuchungen zur Verfügung, sagt ZAMG-Phänologe Helfried Scheifinger: „Wer sich auf der Website www.phenowatch.at anmeldet und Bilder hochlädt, unterstützt daher die Wissenschaft, wie zum Beispiel die Klimafolgenforschung. Interessant sind Fotos zu Spätfrostschäden an Pflanzen und Pflanzenteilen und auch zu Aktivitäten, die Spätfrostschäden verhindern sollen, wie etwas das Räuchern oder das Besprühen mit Wasser."